Erstaunlicherweise konnte ich die vergangene Nacht relativ gut schlafen. Die Aufwachintervalle lagen bei zwei Stunden und ich war nur ein einziges Mal auf Toilette. Allerdings schrie eine der Miezkatzen ab 7 Uhr kontinuierlich und sehr penetrant: „Aufstehen! Hunger!!!“ durch die Tür. Ich folgte dem Ruf um 7:30 Uhr, machte mich komplett fertig, fütterte die Miezfelle und rief das erste Mal im Kreißsaal an. Es ging niemand dran.

Bis 8:40 Uhr bleibt es dabei. Meine Anrufe bleiben unbeantwortet und ich kann mir schon denken, dass da gerade der Bär tobt. So ein Kreißsaal ist ja manchmal ein bisschen wie Schützenfest. Erst will keiner hin und dann sind alle gleichzeitig da. Um 8:40 Uhr jedenfalls erreiche ich Hebammenschülerin Katrin, die ich schon vom vorgestrigen CTG kenne. Sie ist einfach toll und ich könnte mir gut vorstellen, sie bei der Geburt dabei zu haben. Jedenfalls sagt Katrin, dass sie die zuständige Hebamme gerade nicht loseisen kann. Ich solle in einer viertel Stunde noch mal anrufen, was ich natürlich auf die Sekunde genau tue (ich bin schwanger. Sehr. Ich leide nicht an Magenverstimmungen namens Geduld oder sowas).

Ich habe wieder Katrin dran, die diesmal direkt in den Kreißsaal geht (ich höre im Hintergrund ein Frischgepresstes brüllen) und mir zwei Minuten später eröffnet, ich solle dann in einer Stunde noch mal anrufen. Man könne im Moment absolut nicht abschätzen, wann man mich dazwischen schieben könnte.

Ich hab für sowas natürlich vordergründig Verständnis. Bleibt einem ja auch wenig anderes übrig. In Wahrheit ist mir aber zum Heulen zumute. Dazwischenschieben. Das hört sich so … so … na ja.

Nun sitze ich hier. Fertig. Und warte darauf, dass es zehn Uhr wird. Derweilen lasse ich mich etwas von den wahrhaft fiesen Zahnschmerzen ablenken, die mich seit gestern begleiten (wieso auch mal einen Tag ohne neues Leiden auf den letzten zwei Metern?). Sie sind so stark und kamen so plötzlich, dass ich auf der rechten Seite nicht mal mehr eine Banane schmerzfrei zerkauen kann. Wer weiß, was das jetzt wieder ist. Jedenfalls lenkt es erst mal ab.

Die Miezkatzen sitzen vor der Schlafzimmertür und brüllen nach dem Miezmann, der sich extra für heute Urlaub genommen hat und den ich gerne so lang wie möglich schlafen lassen möchte. Mal sehen. Vielleicht leg ich mich auch noch mal dazu. Was soll ich hier auch sitzen …