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Die vergangene Woche verbrachte ich also, wie schon mehrfach erwähnt, mit dem Quietschbeu bei meiner Schwester und deren Familie. Meine Schwester erscheint mir manchmal wie eine Übermutter, weil sie einfach dazu neigt, alles besser zu wissen und grundsätzlich eine radikale Meinung zu vertreten. Mütter, die eine andere Meinung haben und leben sind grundsätzlich egoistisch und schaden dem Wohl ihres Kindes.
Es sei dazwischen geschoben, dass meine Schwester ein ganz wunderbarer Mensch ist, den ich sehr liebe. Ihre Meinungen und Einschätzungen sind nicht immer richtig, oft sogar falsch. Meiner Meinung nach. Dennoch soll deutlich sein, dass ich sie nicht anders haben wollen würde, als sie ist.
Meine Schwester ist nahezu immer unterwegs. Ich weiß nicht, ob sie grundsätzlich ein unruhiger Typ ist, oder ob sie einfach wirklich so unstrukturiert ist, dass sie ständig noch was erledigen und besorgen muss. So kam es in der vergangenen Woche oft vor, dass der Quietschbeu auf seine festen Zeiten verzichten musste. Ich habe das gar nicht als so dramatisch empfunden. Dann gab‘s halt mal eine halbe Stunde früher oder später Mittag oder eine Stunde später ein Schläfchen.
Es hielt sich im Rahmen, weil ich ein Auge darauf hatte und schon drängte jetzt aber Heim zu wollen, weil der Kleine müde sei. Meine Schwester ist der Meinung, er habe doch im Auto/Wagen geschlafen … meine Meinung, dass er dort aber nicht erholsam schlafen würde, nimmt sie gar nicht an.
Von Freitag auf Samstag ließ sich den Quietschbeu dann bei meiner Schwesterfamilie und fuhr zum Miezmann. Was wir am Samstag zurück bekamen war ein reines Nervenbündel. Wie ich erfuhr war der Quietschbeu irgendwann gegen 23 Uhr ins Bett gegangen, hatte bis irgendwas um 6 geschlafen, seine Pulle Milch nur zur Hälfte gelehrt und Mittagessen gab es so gegen 13 Uhr, das hat er aber auch nicht augeggessen. Mittagsschlaf hatte er noch nicht gehalten.
Man muss dazu wissen, dass der Quietschbeu ein sehr hohes Schlafbedürfnis hat. Er geht um 19 Uhr zu Bett und schläft bis 7 Uhr. Füttert man ihn vor 7 Uhr, trinkt er nicht ausreichend. Mittagessen um 13 Uhr ist verdammt spät, wenn man schon um 6 Uhr gefrühstückt hat und normalerweise liegt der Herr um 13 Uhr schon tief und fest im Mittagsschlaf.
Meine Schwester hielt mir mal einen Vortrag, dass Kinder die nach festen Zeiten leben unflexibel seien. Außerdem könne man sein Leben auch nicht vollkommen nach den Kindern richten. Man wäre ja selber auch Mensch. Ich entgegne: der Quietschbeu ist sieben Monate alt. Feste Zeiten und Rituale sind die einzigen Dinge, an denen er sich orientieren kann. Und ich achte auch nicht auf die Minute genau. Aber mehr als plus/minus 30 Minuten sind es nie. Schon alleine nicht, weil der kleine Mann dann sehr ausdrucksstark seinen Schlaf bzw. sein Essen einfordert. Ist man ständig auf der Rolle und der Kleine somit ausreichend abgelenkt, kann man das Einfordern natürlich schon mal vergessen. Sie wunderte sich dann ernsthaft, warum er sich beim Einschlafen so schwer tut, oder nach einem halben Glas Mittagsbrei nicht weiter essen will.
Der Sonntag war der Horror. Der Quietschbeu schrie in einer Tour, war völlig übermüdet und aß schlecht. Als ich ihn gestern Abend hinlegte war noch vor dem Gebet eingeschlafen und schlief bis heute Morgen um 8 Uhr! Der heutige Tag war dann schon wieder etwas besser. Geregelte Essenzeiten und ausreichend Schlaf …
Vielleicht bin ich spießig, aber ich denke, dass diese Regelmäßigkeiten genau das sind, was mein Kind braucht, um ausgeglichen und fröhlich zu sein. Punkt.
Eben rief mein Vater an, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Ich war erstaunt. Dann sagte er, dass er uns alles Gute wünscht, dass er hofft, dass das Baby in meinem Bauch genauso gut gedeiht, wie unser Quietschbeu (der das bezauberndste Wesen hätte, dass er bei so einem kleinen Menschen je erlebt hätte). Dass er glaubt, dass das Leben eben so verliefe, wie es verliefe. Dass man nicht alles hinterfragen müsse. Dass er mir natürlich zutraue zwei so kleine Kinder groß zuziehen und zu wundervollen kleinen Menschen zu machen. Dass er glaube, dass wir uns das gut überlegt hätten und ob ich ihm denn unsere Überlegungen anvertrauen würde. Ich tat es und erntete einen sehr beeindruckten und wohl auch ein wenig besorgten Vater (bezüglich der Sorge schreibe ich noch einen separaten Beitrag, den ich aber auch nach der 12. SSW nicht freigeben werde).
Er entschuldigte sich nicht direkt für seine erste Reaktion, aber das wäre auch nicht seine Art. Aber er schenkte mir ganz viel Herzensfreude über seine Anteilnahme, seine ehrliche Freude über den erneuten Enkel und die Bestätigung, dass unsere Entscheidung richtig sei (nicht, dass ich sie gebraucht hätte, aber es fühlt sich doch besser an, verstanden zu werden).
Alles wird gut (und wenn wir ehrlich sind war das von mir auch ein wenig unfair. Ich hatte 5 Monate Zeit mich mit der Situation auseinander zu setzen. Mein Vater gerade mal ein paar Sekunden).
Die Nacht ohne Quietschbeu war ein denkwürdiger Meilenstein in Sachen Elternsein. Die Party war leider alles andere als stimmungsvoll, das Essen war in Ordnung, aber nicht berauschend und das Programm war irgendwie … überspannt. Ein, zwei Mal habe ich mich echt geärgert, meinen Sohn dafür „abgegeben“ zu haben. Aber auf der anderen Seite war es der 80. Geburtstag der Miezmannoma und allein dafür waren wir gerne gekommen.
Gegen Mitternacht waren wir zuhause und nutzen die Kinderlose Zone noch ein bisschen für uns. Am folgenden Tag schlief ich bis 8 Uhr, nicht aber, ohne gegen 4 Uhr aufzuwachen – das ist nämlich die Zeit, um die der Quietschbeu nach seinem Schnuller knötert. Nach einem kurzen Toilettenbesuch kuschelte ich dann noch bis 11:30 Uhr (!!!) mit meiner Bettdecke im Traumland. GROSS-AR-TIG!
Als wir den Quietschbeu gegen 13 Uhr bei meiner Schwester in die Arme schlossen, freute er sich riesig, uns wieder zu sehen. Allerdings war das Vermissen nicht allzu groß ausgefallen, was mich auf der einen Seite sehr beruhigte und auf der anderen ein wenig verletzte. Mütter eben. Er hatte super gegessen, super geschlafen, viel gespielt, Spazieren waren sie und geweint hatte er nur bei den Klassikern, wie Ärmel anziehen (Body, Pullover, Jacke …egal!) und Mütze ins Gesicht ziehen. Ansonsten war er ein Bilderbuch-Baby, das mein elfjähriger Neffe am Abend tatsächlich nur mit glasigen Augen wieder ziehen ließ. „Aber er darf doch noch mal bei uns schlafen, oder?“
So kann ich also berichten, dass die erste Fremdübernachtung des Quietschbeus ein voller Erfolg war und ohne jegliche Probleme von Statten ging. Der Quietschbeu war glücklich und zufrieden, meine Schwesterfamilie hatte Spaß und viel Freude und wir hatten mal wieder uns. Was will man mehr?
Uns war schon früh klar, dass wir einen möglichst geringen Altersabstand zwischen unseren Kindern haben möchten. Schon bevor wir den Quietschbeu „angesetzt“ hatten. Aus vielen Gesprächen mit der lieben Familie wusste ich aber auch, dass man sowas für absolut unvernünftig und dumm hält. „2 ½ bzw. 3 Jahre sind eine idealer Altersabstand“, wiederholen sie Mantra-artig. Eben weil das bei ihnen so war. Ich bin hingegen der Meinung: den perfekten Altersabstand gibt es wahrscheinlich gar nicht! Weil ich aber ungern über ungelegte Eier gackere, habe ich eine Diskussion stets gemieden und immer nur gelächelt.
Natürlich haben wir uns vorgenommen die Familie erst zu informieren, wenn die Schwangerschaft als sicher gilt. Meiner Schwägerin passierte es letztes Jahr, dass sie 6 Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder schwanger wurde (Unfall) und das Kind in der 8. Woche verlor, weil der Körper noch nicht wieder bereit war, für eine weitere Schwangerschaft. Davor habe ich momentan die größte Angst!
Jedenfalls kam gestern mein Vater zu Besuch und wir gingen gemeinsam für eine große Käseplatte einkaufen, die der Miezmann und ich zur Feier des Tages abends vernichten wollten. Und während ich von einem Ende der Käsetheke zur anderen renne und Käse aussuche, Mengenangaben verhandle und mit der Fachverkäuferin fachsimple, sagt mein Vater „Bist Du wieder schwanger?“, woraufhin ich ihn mit riesen Augen ansehe und nur ein stolperiges „Wieso?“ herausbekomme. „Na, weil Du so zielsicher an den Sorten mit Rohmilchanteil vorbei kaufst …“
Ich gucke wieder in die Käsetheke, überlege einfach gar nicht darauf zu antworten und flüstere schließlich „Du weißt, dass ich nicht lügen kann.“
Auf dem Heimweg versucht mein Vater mehr aus mir heraus zu bekommen. Ich antworte ihm, dass ich noch nicht drüber sprechen wollte. Nicht, dass es mir später wie meiner Schwägerin ergehen würde. Und er sagt, dass das Stress werden würde. Anstrengend! So früh ein Zweites … und ich fahre ihm über den Mund, sage, dass wir uns das sehr wohl gut überlegt haben, dass es so gewollt und geplant war und es jetzt so wäre und seine ganze Schwarzmalerei nicht im Entferntesten etwa bringen würde … oder ob ich es mir nun wegmachen lassen sollte?
Der letzte Satz war provokant, aber ich denke, er hat verstanden, was ich ihm damit sagen wollte. Es ist nicht so, dass mein Vater sich nicht freut, es ist viel eher so, dass er ernsthaft Angst hat, dass ich das nicht bewältigt kriege und ich gebe offen zu: das kränkt mich!
Später sagte er noch mal „Sei froh, dass der Quietschbeu jetzt noch so wenig mobil ist. Das wird noch richtig stressig.“ Ich habe gar nicht darauf reagiert. So deutliche Seitenhiebe braucht kein Mensch.
Jeder ist seines eigen‘ Glückes Schmied! Das gilt aber auch immer nur für einen Selber, habe ich das Gefühl. So oft, wie ich mir schon anhören dürfte, wer so früh ein zweites/drittes/viertes Kind bekommt sei naiv und sich der Verantwortung nicht bewusst. Manchmal möchte ich da gerne kotzen.
Und um ehrlich zu sein gilt im Moment meine einzige Sorge dieser Schwangerschaft und der Frage, ob mein Körper schon wieder bereit ist, so einen Gewaltakt zu leisten. Ich hoffe es sehr. Ich bete jeden Tag dafür!
(Und ich würde auch nicht verzweifeln, wenn es nun Zwillinge wären. Zum Beispiel.)
… der Miezmann genau 38 Jahre alt (♥).
… der Quietschbeu genau 5 Monate, 1 Woche und 6 Tage alt.
… Mama Miez genau 28 Jahre, 10 Monate, 2 Wochen und 4 Tage alt.
… ein ganz besonderer Tag!
Kommenden Samstag schläft der Quietschbeu das erste Mal außerhäusig, weil der Miezmann und ich auf den 80. Geburtstag der Miezmannoma fahren. Der Quietschbeu wir dann bei seiner Tante nächtigen. Meiner Schwester. Ich bin relativ ruhig und entspannt, ist meine Schwester doch 10 Jahre älter als ich und hat mich quasi mit aufgezogen. Sorgen muss ich mich um mein Kind nicht. Dennoch ist da dieses seltsame flirrende Bauchgefühl.
Ich schreibe folglich ein sehr detailliertes Quietschbeu-Handbuch, um das meine Schwester bat. Der Quietschbeu ist nämlich ein absolutes Knöpfchen-Kind. Fast alles funktioniert bei ihm auf Knopfdruck, man muss das Knöpfchen halt nur kennen.
So muss die Schnuffelpuppe nachts grundsätzlich in den linken (!!!) Arm gelegt werden, nachdem der Schnuller wieder zugeführt wurde.
Oder so braucht der Quietschbeu für sein Verdauungsschläfchen am Vormittag grundsätzlich seinen Spieluhr-Hund, der Mozarts Wiegenlied dudelt. Nur vormittags. Sonst schläft er immer ohne ein.
Der Quietschbeu muss nach fünf Löffeln Brei immer Tee trinken, sonst verweigert er jeden weiteren Löffel oder fängt sogar an zu weinen.
Der Quietschbeu braucht morgens, vor dem Aufstehen, mindestens fünf Minuten Spielzeit mit seiner Barbapapalampe. Lässt man das weg beginnt er fürchterlich zu weinen, wenn man einfach so das Schlafzimmer mit ihm verlässt.
Also schreibe ich das Quietschbeu-Handbuch und muss immer wieder lachen und grinsen. Ich hab schon echt ein ziemlich verrücktes Baby …
Das hier, das ist das erste Klamottenmännchen des Quietschbeus. Als ich klein war hatte ich auch ein Klamottenmännchen und ich weiß gar nicht mehr, wann und wie wir das zu Hause einstellten. Ich meine mich zu erinnern, dass es nach einem dreiwöchigen Ferienlager einfach nicht mehr gelegt wurde. Da muss ich zehn gewesen sein.
Jetzt werden Sie sich sicher fragen, was der Quietschbeu mit einem Klamottenmännchen anfangen soll, der kann sich ja eh noch nicht selber anziehen. Stimmt. Er ist zwar ein Superbeebie, aber anziehen kann er sich mit gerade mal fünf Monaten tatsächlich noch nicht alleine.
Die Lösung ist: Sonntags habe ich Ausschlaftag. Meistens. Manchmal auch Samstag. An mindestens einem Wochenendtag also. Und damit der Mann dann morgens weiß, was er dem Quietschbeu anziehen soll, habe ich ihm also Samstagabend ein Klamottenmännchen gelegt. Das Erste!Und weil das so prima geklappt hat, werde ich das jetzt also jedes Wochenende so machen. Bis der Quietschbeu groß genug ist, sich selber anzuziehen. Dann gibt’s das Klamottenmännchen auch täglich.
(Erinnert durch Frau Antonmann und Jacqueline)
Mattis?
Weil der Miezmann bei diesem Namen immer an das Großstadtrevier denken musste. Und an Fischbrötchen.
Gero?
Weil der Miezmann dann immer an den Sänger von Oomph! denken musste, der in Wahrheit aber Dero heißt.
Justus?
Weil der Miezmann dann immer an die „Drei Fragezeichen“ (♥) denken muss. Außerdem hat mein Bruder ihn für eventuell folgende Söhne „geblockt“.
Jan?
Jan war sehr lange unser Favorit, aber weil Jan in den letzten Jahren so schrecklich häufig geworden ist, kam es dann doch nicht dazu. Mein großer Bruder (43) heißt ebenfalls Jan. Aber dann zwei Jans ins der Familie und dazu fünf Jans im Kindergarten? Neee. Der Quietschebu sollte schon einen EIGENEN Namen bekommen.
Der Quietschbeu bekam zum Schluss den Namen, den ich von Anfang an für ihn wollte. Dafür habe ich aber auch lang und hart kämpfen müssen.












Plappereien